Budgetanträge für ein Offsite-Backup gehen meist an einer von zwei Stellen schief: Der Speicher wird als „eine Kopie der Datenträger“ dimensioniert, oder die Egress-Rechnung des Cloud-Anbieters wird vergessen. Beide Fehler zeigen sich erst Monate später – wenn die Aufbewahrung den Bucket füllt oder die erste Rechnung eintrifft.

Dieser Leitfaden stellt die Formeln vor, mit denen wir eine unveränderbare Offsite-Kopie dimensionieren – Speicher, Übertragungszeit, Egress und Wiederherstellungskapazität –, samt einem Rechenbeispiel, das Sie an Ihre eigenen Zahlen anpassen können.

Diese fünf Eingangsgrößen brauchen Sie

  1. Belegte Daten (D) – die tatsächlich auf den geschützten Datenträgern gespeicherten Daten, nicht deren provisionierte Größe. Ein zu 40 % gefüllter 4-TB-Datenträger geht mit 1,6 TB in die Rechnung ein.
  2. Datenreduktionsfaktor (r) – die von der Backup-Software erzielte Komprimierung und Deduplizierung; bei gemischten Servern sind 1,3–2× typisch.
  3. Tägliche Änderung (Δ) – neue und geänderte Blöcke pro Tag nach der Reduktion. Ermitteln Sie den Wert anhand der Inkrementgrößen Ihrer aktuellen Backups.
  4. Aufbewahrungsrichtlinie – wie viele tägliche, wöchentliche und monatliche Wiederherstellungspunkte Sie vorhalten.
  5. Wachstum – das erwartete Datenwachstum über die Vertragslaufzeit, üblicherweise 10–20 % pro Jahr.

Speicherformel für die GFS-Aufbewahrung

Bei Forever-Incremental-Backups auf Objektspeicher enthält jeder Wiederherstellungspunkt nur die Blöcke, die sich geändert haben und nicht mit neueren Punkten geteilt werden. Daraus ergibt sich eine einfache Schätzung:

Speicherbedarf ≈ F + Nd × Δ + Nw × Δw + Nm × Δm + Overhead

F   = D / r        Vollkopie
Nd  = Tagespunkte                   Δ  = tägliche Änderung
Nw  = zusätzliche Wochenpunkte      Δw ≈ 2,5 × Δ
Nm  = zusätzliche Monatspunkte      Δm ≈ 6 × Δ
Overhead ≈ 10 % für Object Lock und Metadaten

Die Faktoren für Wochen- und Monatspunkte bilden ab, dass viele tägliche Änderungen dieselben Blöcke überschreiben; ersetzen Sie sie durch Messwerte, sobald Ihnen ein Monat Historie vorliegt. Rechenbeispiel: 20 TB belegte Daten, 1,5-fache Reduktion und 200 GB tägliche Änderung.

Gestapeltes Balkendiagramm: Eine Aufbewahrung von 30 Tagen, 8 Wochen und 12 Monaten benötigt rund 36,6 TB, eine Aufbewahrung von 14 Tagen und 4 Wochen dagegen 18,8 TB
Speicherbedarf des Rechenbeispiels bei zwei Aufbewahrungsrichtlinien.
Komponente30 T. / 8 W. / 12 M.14 T. / 4 W.
Vollkopie (20 TB ÷ 1,5)13,3 TB13,3 TB
Tägliche Wiederherstellungspunkte30 × 0,2 = 6,0 TB14 × 0,2 = 2,8 TB
Zusätzliche Wochenpunkte4 × 0,5 = 2,0 TB2 × 0,5 = 1,0 TB
Zusätzliche Monatspunkte10 × 1,2 = 12,0 TB—
Overhead für Unveränderbarkeit (10 %)3,3 TB1,7 TB
Gesamt≈ 36,6 TB≈ 18,8 TB
Mit 15 % Wachstumspuffer≈ 42 TB≈ 22 TB

Die Aufbewahrungsrichtlinie verdoppelt die benötigte Kapazität in etwa. Legen Sie sie pro System fest: Systeme der Kategorie I benötigen oft 12 Monatspunkte, für Test- und Hilfssysteme reichen 14 Tage.

Object Lock und Overhead durch Unveränderbarkeit

Object Lock im Compliance-Modus bewahrt jedes Objekt bis zu seinem Aufbewahrungsdatum auf – auch dann, wenn die Backup-Software es nicht mehr benötigt. Backup-Tools verlängern Sperrfristen deshalb blockweise um mehrere Tage (Veeam etwa schlägt typischerweise bis zu zehn Tage auf), und abgelaufene Punkte werden erst nach Ende der Sperre entfernt. Planen Sie 10–15 % zusätzlich zur Aufbewahrungsrechnung ein, und legen Sie unveränderbaren Speicher nie auf 100 % Auslastung aus: Ein voller Bucket lässt sich nicht vorzeitig bereinigen.

Erstübertragung (Seeding): Bandbreite und Dauer

Die erste Vollkopie ist die größte Übertragung. Planen Sie die Leitung so, dass das Seeding innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen ist – und bedenken Sie, dass über längere Zeiträume nur etwa 80 % der Nennbandbreite nutzbar sind:

Tage = Datenmenge (TB) × 8 000 000 / (Bandbreite (Mbit/s) × 0,8 × 86 400)
Zu übertragende Daten100 Mbit/s300 Mbit/s1 Gbit/s
10 TB11,6 Tage3,9 Tage1,2 Tage
25 TB28,9 Tage9,6 Tage2,9 Tage
50 TB57,9 Tage19,3 Tage5,8 Tage

Tägliche Inkremente sind deutlich kleiner: 500 GB in einem Zeitfenster von acht Stunden erfordern etwa 140 Mbit/s, verteilt über 24 Stunden weniger als 50 Mbit/s.

Cloud-Egress-Kosten

Daten, die eine Public Cloud verlassen, rechnet der Cloud-Anbieter pro Gigabyte ab – nicht der Backup-Dienstleister. Sie gehören daher als eigene Position in den Budgetantrag. Listenpreise von Azure für Internet-Egress aus Europa (Routing über das Microsoft-Netzwerk):

Monatliches VolumenPreis pro GB
Erste 100 GBkostenlos
Nächste 10 TB0,087 $
Nächste 40 TB0,083 $
Nächste 100 TB0,07 $

Im Rechenbeispiel kostet die Erstübertragung der 13,3 TB großen Vollkopie rund 1.137 $, 6 TB monatliche Änderungen kosten rund 513 $ im Monat bzw. 6.160 $ im Jahr. Drei Hebel senken die Rechnung: Komprimierung und Deduplizierung vor der Übertragung, die günstigere Option „Routingpräferenz: Internet“ (0,08 $ bzw. 0,065 $ pro GB in den ersten beiden Preisstufen) sowie Sponsoring- oder Credit-Programme, die das Abonnement womöglich bereits abdecken.

Wiederherstellungskapazität dimensionieren

Wiederherstellungstests benötigen Rechenleistung und Speicherplatz direkt beim Backup-Speicher. Dimensionieren Sie den Pool für das größte System, das Sie in einem Zug wiederherstellen müssen – nicht für ein durchschnittliches:

  • Speicherplatz: die belegten Daten des größten Systems plus 20 % Arbeitsreserve.
  • Rechenleistung: genug vCPU und RAM, um die Server dieses Systems gleichzeitig zu betreiben – zum Beispiel zwei VMs mit je 8 vCPU und 32 GB.
  • Zeit: Der Test aller Systeme belegt den Pool in der Regel zwei bis vier Wochen pro Jahr.

Checkliste zur Dimensionierung

  • Messen Sie die belegten Daten pro Server und die Datenbankgrößen – nicht die provisionierten Datenträger.
  • Werten Sie die Inkrementgrößen der letzten 30 Tage aus Ihren aktuellen Backups aus, um die tatsächliche tägliche Änderung zu ermitteln.
  • Legen Sie die Aufbewahrung pro Systemkategorie fest, bevor Sie Preise anfragen.
  • Schlagen Sie 10–15 % für die Unveränderbarkeit und 10–20 % für Wachstum auf.
  • Dimensionieren Sie die Leitung für ein Seeding in höchstens 14 Tagen und das tägliche Zeitfenster für die höchste Änderungsrate.
  • Nehmen Sie den Cloud-Egress als eigene Position in den Budgetantrag auf.

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Diesen Leitfaden haben Ingenieure von Corvus Intelligence erstellt, die Backup, Disaster Recovery und Sicherheitsüberwachung für Behörden und Betreiber kritischer Infrastrukturen konzipieren. Über Corvus Intelligence →