Die Europäische Union baut seit der Gründung der Europäischen Verteidigungsagentur im Jahr 2004 eine Verteidigungsindustriepolitik auf, aber das Tempo dieser Entwicklung hat sich nach 2022 erheblich beschleunigt. Die Kombination des russischen Krieges gegen die Ukraine und der daraus resultierenden strategischen Neubewertung in den EU-Mitgliedstaaten hat zu beispiellosen Investitionen in die europäische Verteidigungskapazität geführt. Für Softwareanbieter hat dies eine Reihe von Finanzierungsmechanismen und Marktzugangswegen geschaffen, die vor fünf Jahren nicht existierten.

Was EDTIB ist und warum die EU es entwickelt

Die Europäische Verteidigungstechnologische und Industrielle Basis (EDTIB) ist der EU-Begriff für die kollektive industrielle und technologische Kapazität der EU-Mitgliedstaaten zur Entwicklung und Produktion von Verteidigungsausrüstung und -dienstleistungen. Die Probleme, die das EDTIB-Konzept lösen soll, umfassen: Doppelungen bei Entwicklungsbemühungen zwischen Mitgliedstaaten, unzureichende Skalierung, begrenzte Investitionen in Technologien der nächsten Generation und kritische Abhängigkeiten von Nicht-EU-Lieferanten.

Europäischer Verteidigungsfonds: €8 Milliarden 2021–2027

Der Europäische Verteidigungsfonds war das erste direkte EU-Finanzierungsinstrument für Verteidigungsforschung und Fähigkeitsentwicklung mit einem Budget von ca. 7,9 Milliarden Euro. EDF-Finanzierung steht juristischen Personen offen, die in EU-Mitgliedstaaten ansässig sind. Für KMU-Softwareanbieter ist die zugänglichste Route in EDF-Projekte die Teilnahme als Konsortiumspartner, nicht als Leiteinrichtung.

EDIP: Europäisches Verteidigungsindustrieprogramm 2025+

Das Europäische Verteidigungsindustrieprogramm (EDIP) ist ein 2025 eingeführtes Übergangsinstrument mit einem Budget von ca. 1,5 Milliarden Euro. Für Softwareunternehmen sind die relevantesten EDIP-Bestimmungen jene, die Softwaretools zur Unterstützung der Verteidigungsproduktionskapazität betreffen — Logistikmanagement, Lieferkettenvisibilität, Produktionsplanung und Qualitätsmanagementsysteme.

Kernaussage: Für Softwareanbieter ist die wichtigste kurzfristige EU-Finanzierungsmöglichkeit nicht die großen EDF-Fähigkeitsentwicklungsprojekte, die eine mehrjährige Konsortiumsbildung erfordern. Es sind die kleineren EDF-Forschungsaufrufe und EDIP-Unterstützungsinstrumente, bei denen die KMU-Beteiligung ausdrücklich gefördert wird.

Bedingungen für Nicht-EU-Unternehmen: Ukraine als EU-Kandidat

Der Status der Ukraine als EU-Kandidat seit Juni 2022 hat eine spezifische Bestimmung im EDF-Rahmen geschaffen, die ukrainischen Unternehmen unter bestimmten Bedingungen die Teilnahme an EDF-Projekten ermöglicht. Der derzeitige praktische Ansatz für ukrainische Unternehmen, die EDF-Zugang suchen, ist die Gründung einer Tochtergesellschaft oder eines Gemeinschaftsunternehmens in einem EU-Mitgliedstaat. Polen, Estland, Lettland, Litauen und Deutschland sind die häufigsten Standortwahlen.