Signalaufklärung hat zwei primäre Erfassungsdisziplinen, jede erfasst eine andere Schicht der elektromagnetischen Umgebung. Elektronische Aufklärung (ELINT) konzentriert sich auf Nicht-Kommunikations-Emissionen — Radarsignale, Waffensystem-Führungswellenformen, Signaturen elektronischer Kriegsführungssysteme. Kommunikationsaufklärung (COMINT) fängt beabsichtigte Kommunikation ab — Sprachübertragungen, verschlüsselte Datenleitungen, Nachrichtensysteme. Jede Disziplin allein bietet nur eingeschränkte Sichtbarkeit. Eine Radaremission sagt, dass ein System strahlt; sie sagt nicht, welche Befehle der Operator erhalten hat. Eine Führungsfunkübertragung sagt, was befohlen wurde; sie sagt nicht, welches Waffensystem den Befehl ausgeführt hat. Die Fusion von ELINT und COMINT erstellt das kohärente Bild, das Bundeswehr-Kommandeure benötigen: welche Systeme in Betrieb sind, was diesen Systemen befohlen wurde, und wann Fähigkeit und Absicht zu einer unmittelbaren Bedrohung zusammentreffen.

ELINT-Erfassung und parametrische Analyse

Die ELINT-Erfassung misst die physikalischen Eigenschaften von Radar- und anderen Nicht-Kommunikations-Emissionen. Die primären Parameter für jede Emission: Trägerfrequenz, Pulswiederholintervall, Pulsbreite, Abtastrate und -muster, Modulationseigenschaften. Diese Parameter zusammen bilden den elektronischen Fingerabdruck des Emitters — ein Merkmalssatz, der mit einer parametrischen Emitterbibliothek verglichen werden kann, um den Systemtyp mit hoher Konfidenz zu identifizieren. EID (Emitter Identification) funktioniert auch bei Frequenzagilität, wenn das Agilitätsmuster selbst charakteristisch für den Systemtyp ist.

COMINT-Erfassung und Verkehrsanalyse

Die COMINT-Erfassung arbeitet mit beabsichtigter Kommunikation. Für unverschlüsselte Sprachkommunikation umfasst dies sowohl Inhaltsanalyse als auch Verkehrsanalyse. Für verschlüsselte Kommunikation ist der Inhalt nicht verfügbar, aber die Verkehrsanalyse bleibt vollständig anwendbar: Kommunikationsmuster, Netzwerktopologie, Nachrichtenhäufigkeit und Übertragungszeitpunkt tragen unabhängig vom Inhalt Geheimdienstwert.

Verkehrsanalysetechniken umfassen: Netzwerkkartierung (Identifizierung welche Stationen mit welchen anderen kommunizieren, die Führungsnetzstruktur offenbarend), Aktivitätsanalyse (Änderungen im Kommunikationsvolumen, die mit operativer Aktivität korrelieren), Peilung (Lokalisierung von Kommunikationssendern durch TDOA oder AOA) und Linkanalyse.

Fusionsarchitektur: Korrelation von ELINT und COMINT

Der Fusionsprozess korreliert ELINT-Emitterdatensätze mit COMINT-Beobachtungsdatensätzen, um kombinierte Geheimdienstprodukte zu erstellen. Die Korrelation operiert gleichzeitig auf mehreren Dimensionen:

Geografische Korrelation: Ein ELINT-Emitter, geoorteted zu Gitterbezug X, und ein COMINT-Sender, geoorteted zum selben Gitterbezug, gehören wahrscheinlich zur selben physischen Plattform oder Einheit der Bundeswehr. Das geografische Korrelationsfenster muss Geoortungs-Fehlerellipsen beider Erfassungssysteme berücksichtigen.

Zeitliche Korrelation: Ein ELINT-Emitter, der zu T1 aktiviert, und COMINT-Verkehr, der zum selben Zeitpunkt T1 vom selben ungefähren Standort beobachtet wird, repräsentieren wahrscheinlich dieselbe Aktivität. Zeitliche Korrelation ist besonders mächtig zur Erkennung von Koordinationsereignissen.

Entitätskorrelation: Emitterbibliotheks-Einträge für bestimmte Systemtypen können mit COMINT-Datenbanken querverwiesen werden, um einen Waffensystemtyp mit einer Bundeswehr-Einheit zu assoziieren. Wenn ELINT ein S-300-Akquisitionsradar an Standort X identifiziert und COMINT zuvor ein bestimmtes Funknetz mit der 7. Luftverteidigungsbrigade an Standort X assoziiert hat, ist das Fusionsprodukt: Die 7. Luftverteidigungsbrigade hat einen operativen S-300 an diesem Standort.

Elektronische Kampfordnung (EOB) Pflege

Das Ergebnis anhaltender ELINT/COMINT-Fusion ist eine Elektronische Kampfordnung (EOB) — eine strukturierte Datenbank der elektronischen Fähigkeiten des Gegners, ihrer Standorte, Einheitsassoziationen, Aktivitätsmuster und aktuellen Status. EOB-Pflege ist ein kontinuierlicher Prozess, kein einmaliges Produkt. Emitter werden still, neue erscheinen, Einheiten verlegen.

Softwarearchitektur für ELINT/COMINT-Fusionssysteme der Bundeswehr

Ein produktives ELINT/COMINT-Fusionssystem benötigt mehrere unterschiedliche Softwarekomponenten. Das Erfassungs-Frontend verarbeitet Rohsignalmessungen in standardisierte Emitter-Beobachtungsdatensätze. Die Korrelationsmaschine wendet die mehrdimensionale Korrelationslogik an. Die EOB-Datenbank speichert die fusionierten Entitätsdatensätze mit vollständiger Historie. Die Korrelationsmaschine ist die rechenintensivste Komponente, bei der effiziente räumliche Indizierung die Kandidatenmenge für jede Korrelation reduziert.

Wichtige Erkenntnis: ELINT sagt, was vorhanden ist; COMINT sagt, was beabsichtigt ist. Keine Disziplin allein beantwortet die operative Frage «Wird dieses System gleich gegen uns eingesetzt?». Die Antwort erfordert beides: eine ELINT-Beobachtung eines Feuerleitradarübergangs in den Verfolgungsmodus, fusioniert mit COMINT-Belegen, dass der Einheitskommandeur einen Gefechtseinsatzbefehl erhalten hat. Das Fusionsereignis — nicht eine der Einzelbeobachtungen — ist das Geheimdienstprodukt, das die Entscheidung des Bundeswehr-Kommandeurs antreibt.