Mobile Ad-hoc-Netzwerke (MANETs) lösen ein grundlegendes taktisches Problem: Wie erstellt man ein Datennetzwerk, wenn keine Infrastruktur zur Verbindung vorhanden ist? In einem MANET ist jeder Knoten gleichzeitig ein Kommunikationsgerät und ein Router. Pakete reisen von der Quelle zum Ziel, indem sie durch Zwischenknoten springen und ein selbstorganisierendes Mesh bilden, das sich anpasst, wenn Knoten sich bewegen, beitreten oder das Netzwerk verlassen.

Für militärische Feldteams der Bundeswehr — Operationen auf Trupp- und Zugebene, wo feste Kommunikationsinfrastruktur nicht verfügbar oder zerstört ist — bietet MANET Datenkonnektivität für Lagebildanwendungen, Positionsmeldungen und digitales Messaging ohne Abhängigkeit von Basisstationsabdeckung.

Warum infrastrukturfreies Networking auf Truppebene kritisch ist

Auf Trupp- und Zugebene in offensiven Operationen ist möglicherweise keine der üblichen Konnektivitätsoptionen verfügbar. Direkte P2P-Kommunikation hat taktische Vorteile: Eine Nachricht, die direkt zwischen zwei Funkgeräten in Sichtweite reist, erreicht ihr Ziel in Millisekunden mit hoher Zuverlässigkeit.

Routing-Protokolle: OLSR und BATMAN

OLSR (Optimized Link State Routing, RFC 3626) ist das am weitesten verbreitete proaktive MANET-Routing-Protokoll. In OLSR pflegt jeder Knoten eine vollständige Topologiekarte des Netzwerks durch regelmäßiges Senden von HELLO- und TC-Nachrichten. Die MPR-Optimierung in OLSR reduziert den Broadcast-Overhead durch die Auswahl einer Teilmenge von Nachbarn zur Weiterleitung von TC-Nachrichten.

BATMAN verfolgt einen anderen Ansatz: Statt einer Topologiekarte weiß jeder Knoten nur, welcher Nachbar der beste nächste Hop zu einem gegebenen Ziel ist. Der Hauptvorteil von BATMAN gegenüber OLSR ist Skalierbarkeit.

Kommerzielle Militär-MANET-Funkgeräte: Software-APIs

Silvus StreamCaster-Funkgeräte (SC3500, SC4200) sind weit verbreitete MANET-Funkgeräte basierend auf der MN-MIMO-Wellenform. Sie präsentieren sich angeschlossenen Geräten als Standard-IP-Netzwerkschnittstellen. Aus Anwendungsperspektive ist das MANET ein transparentes IP-Transport.

Persistent Systems MPU5 ist eine weitere weit verbreitete militärische MANET-Plattform, die eine eigene Wellenform (Wave Relay) verwendet, die für Durchsatz und Latenz optimiert ist.

App-Integration: MANET als transparenter Transport

Das korrekte Integrationsmuster für taktische Anwendungen ist, MANET als transparentes IP-Transport zu behandeln. Die Anwendung sollte keine MANET-spezifische Logik für ihren Datentransport haben — sie sollte Standard-UDP- oder TCP-Sockets verwenden. Was die Anwendung handhaben muss, sind die spezifischen QoS-Eigenschaften des MANET-Transports: variable Bandbreite, variable Latenz und gelegentlicher Paketverlust.

Bandbreitenmanagement: Prioritätplanung

Ein typisches militärisches MANET-Funkgerät bietet 1–5 Mbps nutzbaren Durchsatz unter guten Bedingungen, der in schwierigen HF-Umgebungen auf 200–500 Kbps sinkt. Der Standardansatz ist DSCP-Markierung auf IP-Paketen: Sprachpakete erhalten EF-Markierung, Positionsmeldungen AF41, Dateisynchronisation und Kartenkacheln CS1.

Wichtige Erkenntnis: Nehmen Sie keine stabile MANET-Konnektivität an. Ein Trupp in einer städtischen Umgebung kann in Sekunden von vollständiger Mesh-Konnektivität zu isolierten Knoten wechseln, wenn er ein Gebäude mit dicken Betonwänden betritt. Anwendungen müssen plötzliche MANET-Partitionierung elegant handhaben und sich automatisch erholen, wenn die Partition heilt.