Sprechfunk ist seit dem Zweiten Weltkrieg das Rückgrat der CAS-Koordination. Ein JTAC liest einen Neun-Liner über HF oder VHF an den Piloten durch, der Pilot wiederholt ihn zurück, und wenn alle neun Felder das Rauschen und das phonetische Alphabet ohne Übertragungsfehler überstanden haben, wird der Angriff durchgeführt. Die prozedurale Einfachheit täuscht: die Fehlerquote unter einsatzmäßigen Bedingungen ist wesentlich höher als in der Ausbildung, die Wiederholungslesung kostet Minuten, und eine visuelle Bestätigung, dass Pilot und JTAC denselben Geländepunkt sehen, gibt es nicht.
Digitale CAS-Koordinationssoftware löst alle drei Probleme gleichzeitig. Ein strukturiertes Formular ersetzt den freien Text der Funkübertragung, der Zielort wird mit einem Marker auf dem Live-Lagebild (COP) verknüpft, und die Genehmigungskette — vom JTAC über den AFAC bis zur genehmigenden Stelle — hinterlässt einen unveränderlichen Prüfpfad vom ersten Antrag bis zur Schadensbewertung nach dem Einschlag.
Wo relevant, referenziert der Artikel, wie TAKpilot diese Probleme in einem TAK-nativen CAS-Workflow löst.
Das JTAC-Workflow-Problem: Warum der Sprach-9-Liner unter Druck versagt
Das Feld für den Zielort — das wichtigste Feld im Briefing — ist eine Koordinatenzeichenkette, typischerweise im MGRS-Format. Über einen gestörten Funkkanal bei hohem Operationstempo gesprochen, kann eine sechsstellige Gitterreferenz falsch gehört werden. Digitale CAS-Software eliminiert das phonetische Koordinaten-Readback, befüllt den Zielort automatisch aus einem COP-Marker und zeigt die Kill-Box auf einer gemeinsamen Karte, die JTAC und genehmigender Stelle gleichzeitig sehen.
Digitale 9-Liner-Nachrichtenstruktur: Vom Freitext zum typisierten Schema
Jedes der neun Felder ist einem strukturierten Typ mit Validierungsregeln zugeordnet.
Zeile 1 — IP/Versatz. Der Ausgangspunkt wird als COP-Feature-UID oder als Koordinate mit Label gespeichert. Der Versatz ist ein Peilwert in Grad magnetisch und eine Entfernung in Metern.
Zeile 2 — Kurs. Ganzzahliger Peilwert in Grad magnetisch. Das System rendert die Angriffsachse als Pfeil auf der Kill-Box-Überlagerung.
Zeile 3 — Entfernung. Ganzzahlige Entfernung in Metern vom IP zum Ziel. Automatisch berechnet, wenn beide Felder aus dem COP befüllt sind.
Zeile 4 — Zielhöhe. Ganzzahlige Höhe in Fuß über MSL. Automatisch aus der Geländedatenbank befüllt.
Zeile 5 — Zielbeschreibung. Strukturierter Typ: Hauptkategorie mit Unterklassifikation und Freitext-Bemerkungsfeld.
Zeile 6 — Zielort. Das wichtigste Feld. Gespeichert in MGRS und Dezimalgrad. Bei Koordinateneingabe zeigt das System den Punkt auf der Karte und fordert den JTAC zur visuellen Bestätigung auf.
Zeile 7 — Markierungstyp. Enumeration: Laser (mit Code), IR-Pointer, Rauch (mit Farbe), GPS, Gitter, keines.
Zeile 8 — Eigene Kräfte. Gemeldete Position der nächsten eigenen Truppen relativ zum Ziel. Kreuzvalidiert mit tatsächlichen Track-Positionen im COP.
Zeile 9 — Abflugrichtung. Geplante Abflugrichtung des Flugzeugs nach dem Angriffsdurchlauf.
COP-Integration: Den 9-Liner mit der Live-Karte verknüpfen
Wenn ein JTAC einen Antrag einreicht, erstellt die Koordinationssoftware einen Satz von COP-Objekten: Zielortmarker, Kill-Box-Überlagerung, Angriffsachsenpfeil und IP-Ziel-Liniensegment. Alle Überlagerungen werden als CoT-Ereignisse an den TAK-Server übermittelt und erscheinen auf allen verbundenen ATAK- oder WinTAK-Clients. AFAC und genehmigende Stelle sehen dieselbe Geometrie wie der JTAC.
Genehmigungsworkflow: Vom JTAC-Antrag über AFAC-Überprüfung zur SMEAC-Freigabe
Geplantes CAS durchläuft die vollständige SMEAC-Kette. Zeitkritisches CAS verkürzt die Kette auf eine einzige AFAC-Genehmigung. Die digitale Software muss beide Workflows mit unterschiedlichen Formularlayouts, unterschiedlichem Genehmigungsrouting und unterschiedlichem Timeout-Verhalten implementieren.
Dekonfliktierung: Luftraum, Freund-Feind-Erkennung und ROE-Konformität
Vor der Genehmigung wird der Kill-Box-Höhenblock gegen aktive Luftraumreservierungen geprüft. Eine automatische Prüfung aller eigenen Tracks im COP gegen die Kill-Box-Geometrie wird zum Zeitpunkt der Genehmigung durchgeführt — nicht nur bei der Einreichung. Strukturierte Zielkategorien ermöglichen automatische ROE-Prüfungen.
TAKpilot-Integration: Vom Sprachbefehl zum strukturierten 9-Liner
TAKpilot akzeptiert einen CAS-Antrag in natürlicher Sprache — „Fahrzeug im Gitter 37T EL 441528 bekämpfen, Laser 1688, eigene Kräfte 300 m südlich" — und generiert automatisch einen vorausgefüllten 9-Liner-Entwurf. Nach Bestätigung übermittelt TAKpilot den 9-Liner an den Genehmigungsworkflow und schiebt gleichzeitig den Zielortmarker und die Kill-Box-Überlagerung über die TAK-Server-REST-API nach CloudTAK.
Einschlagsbewertung: Das Bild nach dem Angriff dokumentieren
Das BDA-Eingabeformular wird automatisch aktiviert, wenn der Sortiestatus auf „Angriff abgeschlossen" wechselt. Der JTAC gibt ein: Einschlagszeitpunkt (UTC), Waffentyp und -menge, beobachteter Effekt, Kraterposition in MGRS, PT/PT-Bewertung und vorläufige Kollateralschadensbewertung.
Nach der Operation: Sortieprotokoll, 9-Liner-Archiv und Zeitachsenrekonstruktion
Das Sortieprotokoll bietet eine chronologische Übersicht aller CAS-Aktivitäten. Die Zeitachsenrekonstruktion für das Nachbereitungsgespräch nutzt zeitgestempelte Zustandsübergänge zur Erzeugung einer Ereigniszeitachse, die über das COP-Track-Archiv gelegt werden kann. Das Nachbereitungspublikum kann die Sortie sekundenweise durchgehen.